Wahre Wunder werden denjenigen versprochen, die Aloe Vera-Säfte trinken. Die Lilie aus der Wüste soll die Selbstheilungskräfte stärken und laut Werbung bei Krankheiten von A-Z hilfreich sein: von Allergien, über Diabetes, Krebs oder Zwölfingerdarmgeschwüren. Doch auch wenn manche Ärzte Aloe Vera einsetzen – Wissenschaftler fanden bislang keine entsprechenden Belege für die behaupteten Heilwirkungen. „Doktor Aloe“ gegen alles Mögliche gibt es einfach nicht. Dagegen sind hautpflegende Eigenschaften sowie eine entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung bei äußerlicher Anwendung erwiesen. Schon die ägyptischen Königinnen Nofrete und Kleopatra sollen ihre Haut damit gepflegt haben.
Doch die Anbieter dieser exotischen Pflanze und anderer Wundermittel zeichnen sich nach Auffassung der Verbraucherzentrale nicht nur durch Werbung mit unseriösen Heilversprechen aus: die Firmen versprechen den Verbrauchern außerdem, in kurzer Zeit viel Geld verdienen zu können, wenn sie in den Verkauf einsteigen. „Network-Marketing“ heißt das Zauberwort, mit dem die Haushaltskasse durch Nebenverdienste aufgebessert oder Arbeitslose in Lohn und Brot gebracht werden sollen. Neu gewonnene Vertriebsmitarbeiter erwerben zunächst selbst Produkte aus der Angebotspalette, um diese dann insbesondere in ihrem Freundes-, Verwandten- und Bekanntenkreis weiter zu verkaufen. Sich zum Berater schulen lassen, „unabhängiger Distributor“ werden und abkassieren – so sieht die heile Verkaufswelt aus. Neugewonnenen Mitarbeitern werden häufig weitere lukrative Einnahmequellen dadurch eröffnet, indem Provisionen versprochen werden, wenn sie weitere Verkäufer anwerben. Der Fachausdruck dafür lautet „Multilevelmarketing“.
Doch viele Laienverkäufer wünschen sich schon nach kurzer Zeit die Pflanze in die Wüste zurück, weil sie häufig nur draufzahlen müssen:
- Das eher zweifelhafte Gesundheitsimage hat sich herumgesprochen, die Verkäufer bleiben trotz hohen Arbeits- und Zeitaufwandes auf den teuren Produkten sitzen.
- Der Absatz im Bekanntenkreis ist schwierig: Wer will schon freundschaftliche Beziehungen mit Verkaufsveranstaltungen und fragwürdigen Werbesprüchen vermischen?
Fazit: Die Not von Arbeitslosen wird gezielt ausgenutzt, um ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Gesundheit ist nicht käuflich und als Laie auf diese Weise „Kohle“ machen zu können, bleibt eine Illusion.

