Ein Nebenergebnis der Messungen, die zwischen minus und plus 10 Grad
Aussentemperatur stattfanden, ist der geringe Einfluss der Aussentemperatur auf den Brennwertnutzen. Er ist innerhalb dieser Temperaturspanne nur für Schwankungen unterhalb 10 Prozent verantwortlich
Das Fehlen eines
Aussentemperaturfühlers hingegen führt zu einer Kondensat-Minderung von 23 Prozent. Das ist nicht unerwartet, weil in diesen Fällen oft unnötig hohe Heizkurven „gefahren“ werden, d.h. die Vor- und damit die Rücklauftemperaturen unnötig hoch und damit ungünstig sind für die Brennwertnutzung. Übrigens handelt es sich bei den Anlagen ohne Außentemperatursteuerung keineswegs um besonders alte Anlagen – beide Vergleichsgruppen haben durchschnittlich das gleiche Jahr der Inbetriebnahme.
30 Prozent der untersuchten Anlagen sind im
beheizten Wohnraum aufgestellt, 70 Prozent in unbeheizten Gebäudebereichen. Während der Brennwertnutzen bei der Aufstellung im Unbeheizten 12 Prozent höher ist, ist die Verbrauchskennzahl (kWh Energieverbrauch / m² beheizte Fläche) bei diesen Anlagen 29 Prozent höher. Hierzu trägt vermutlich wesentlich bei, dass es sich bei einem Grossteil der Wohnungen, bei denen der Wärmeerzeuger im Beheizten aufgestellt ist, um Etagenwohnungen handelt, die ein günstigeres A/V-Verhältnis aufweisen.
Zu den Heizungsverlusten, die mit geringem Aufwand reduziert werden können, zählen die Rohrwärmeverluste. Die Heizungsrohre sind nur bei der knappen Hälfte der Anlagen (48 Prozent) lückenlos und ausreichend stark gedämmt. In der anderen Hälfte der Fälle ist die
Rohrdämmung nicht stark genug (20 Prozent), deutlich lückenhaft (7 Prozent) oder fehlt ganz (26 Prozent). Die Armaturen im unbeheizten Bereich sind in mehr als zwei Dritteln der Fälle (69 Prozent) ungedämmt.
In der Fachdiskussion regelmässig betont und durch diese Untersuchung bestätigt ist die zentrale Bedeutung des
hydraulischen Abgleichs. Nicht hydraulisch abgeglichen sind nach Angaben der Betreiber 78 Prozent der Anlagen. Sie erzielen durchschnittlich einen 18 Prozent geringeren Kondensat-Ertrag. Dieser Brennwertminderertrag dürfte tatsächlich noch deutlicher sein, denn die Analyse der Vor- & Rücklauftemperatur-Kurven führt bei etlichen der 22 Prozent angeblich abgeglichenen Anlagen zu berechtigten Zweifeln, dass tatsächlich die behauptete hydraulische Optimierung vorgenommen wurde. Auf jeden Fall ist festzuhalten, dass es beim hydraulischen Abgleich ganz erheblichen Nachholbedarf gibt!
In diesem Zusammenhang bemerkenswert ist, dass fast 25 Prozent der Anlagen mit einem Überströmventil ausgerüstet waren (das heißt in diesen Fällen wurde ein
Überströmventil durch den Berater erkannt). Die Mehrheit der Fachleute hält ein Überströmventil für ausgesprochen kontraproduktiv hinsichtlich des Brennwertertrags, da hier in bestimmten Betriebszuständen ein Kurzschluss zwischen Vor- und Rücklauf hergestellt wird und also die Rücklauftemperatur ansteigt. In der Untersuchung beträgt der durchschnittliche Kondensat-Minderertrag lediglich 3 Prozent.
Nach Betreiberangaben war bei 91 Prozent der Anlagen eine
Nachtabsenkung eingestellt. Bei 42 Prozent dieser Anlagen stellten sich allerdings in der Analyse der Vor- und Rücklauftemperatur-Kurven Auffälligkeiten heraus (sehr kurzer Absenkbetrieb, zu geringe Absenkung der Vorlauftemperatur und dadurch bedingtes häufiges Ein- & Ausschalten des Brenners, überhaupt kein Absenkbetrieb erkennbar).
Erhoben wurde auch die Art der verwendeten
Heizungsumwälzpumpe. Im Betrieb waren anteilig:
- Einstufige Pumpen: 5 Prozent
- Mehrstufige Pumpen: 37 Prozent
- Geregelte Pumpen: 42 Prozent
- Hocheffizienzpumpen: 16 Prozent.
Anlagen mit den beiden zuletzt genannten Pumpenarten hatten im Durchschnitt 13 Prozent mehr Kondensat-Ertrag als die mit den beiden zuerst genannten Pumpenarten. Im Rahmen dieser Untersuchung konnte nicht geklärt werden, ob die hochwertigeren Pumpen ursächlich zu einer besseren Brennstoffausnutzung beitragen oder ob sowohl die bessere Brennwertnutzung als auch die hochwertigere Pumpe beide Ausdruck einer insgesamt qualitativ besser geplanten und erstellten Anlage sind.
Betrachtet wurde auch der Zusammenhang zwischen der
Art der Heizflächen und der anfallenden Kondensat-Menge. Systeme mit reinen Fußboden- oder Wandflächenheizungen Heizkörpern haben durchschnittlich gut 10 Prozent mehr Kondensat-Anfall als Systeme mit Heizkörpern. Kombinationen aus beiden verbessern den Kondensat-Ertrag gegenüber den Heizkörper-Verteilsystemen hingegen praktisch nicht.
Deutlich ist der Einfluss des
Kesselalters auf den Brennwertnutzen. Für die untersuchten Kessel, die hauptsächlich in den letzten 15 Jahren in Betrieb gingen, nimmt demnach der Kondensat-Ertrag pro Jahr um durchschnittlich 2 Prozent zu.
Die Gründe dafür können im Rahmen dieser Untersuchung nicht benannt werden. Grundsätzlich denkbar sind
- Eine Zunahme der Qualität der Heizgeräte
- Eine Verbesserung der durch das Handwerk erzielten Systemqualität
- Eine Verschlechterung des Brennwertnutzens mit der Gerätealterung.
Insbesondere der letzte Punkt sollte unseres Erachtens überprüft werden, um gegebenenfalls durch geeignete Wartungsmaßnahmen gegenzusteuern. Eventuell würde hier eine gründliche Reinigung des Wärmetauschers wirken.
In der Untersuchung wurde ausserdem neben der Kesselleistung auch der typische Jahresverbrauch erhoben. Mit diesen Zahlen wurde – ohne einen Abzug für die Warmwasserbereitung - eine grobe Volllaststundenzahl ermittelt um die
Dimensionierung des Kessels zu bewerten. Bei etwa der Hälfte der Anlagen beträgt diese 1.000 Stunden oder weniger, das heisst die Geräte sind erheblich grösser dimensioniert als nötig. Gut dimensionierte Kessel erreichen eine Volllaststundenzahl von 1.800 und darüber. DerBrennwertnutzen leidet unter der überhöhten Kesselleistung zwar nicht – er wird bei überdimensionierten Kesseln eher besser - , aber neben einer vermeidbaren hohen Zahl von Brennerstarts (und den damit verbundenen höheren Emissionen und höherem Geräteverschleiss kostet dies die Verbraucher oft bares Geld: Viele Gasversorger erheben einen verbrauchsunabhängigen Grundbetrag, der mit der installierten Kesselleistung steigt.
Die Untersuchung von knapp 1.000 Brennwertgeräten zeigt, dass das Potenzial der Gerätetechnik für Energieeinsparung in den realisierten Gesamtanlagen oft vertan wird. Der Brennwertnutzen ist nur bei rund einem Drittel der Geräte akzeptabel, bei einem weiteren Drittel optimierungsbedürftig, beim letzten Drittel ungenügend.
Die zusätzlich erhobenen Größen zeigen, dass auch allerlei andere Aspekte der Heizungsanlagen zu wünschen übrig lassen. Heizkurven sind nicht ordentlich angepasst, Temperaturspreizungen zwischen Vor- und Rücklauf zu gering, Nachtabsenkungen funktionieren nicht. Die Mehrzahl der Anlagen genügt nicht den gesetzlichen Anforderungen an die Dämmung von Leitungen und Armaturen, 5 Prozent der Regelungen haben nicht einmal einen Außentemperaturfühler.
Hocheffizienzpumpen sind nur bei jeder sechsten Anlage im Betrieb und ein hydraulischer Abgleich hat höchstens in jedem fünften Heizungssystem stattgefunden.
Den Besitzern von Brennwertanlagen ist also dringend zu raten, die Heizung als Gesamtsystem optimieren zu lassen und dabei nicht allein auf den Preis, sondern unbedingt auch auf die Ausführungsqualität zu achten. Bei Neuanlagen sollte eine Überprüfung der Effizienz unbedingt während der Gewährleistungsfrist erfolgen, damit die Betreiber ohne zusätzliche Kosten ihre Anlage von dem beauftragten Handwerksbetrieb nachbessern lassen können
Die Geräteindustrie sollte diese Optimierungsanstrengungen unterstützen, indem die Heizungsregelungen so gestaltet werden, dass sie für den Verbraucher und den Handwerker leichter bedienbar werden. Auch sollten Anreize für die Handwerker geschaffen werden, das Heizungssystem nicht mit Werkseinstellungen zu betreiben, sondern an das jeweilige Gebäude und die Bedürfnisse der Bewohner anzupassen. Nur so können die Sparpotenziale der Brennwerttechnik auch realisiert werden.
Die wichtigste Rolle bei der Anlagenoptimierung spielt aber das Handwerk. Eine lediglichstörungsfrei laufende Anlage ist mit Blick auf die Notwendigkeit, Heizenergie und Strom zu sparen, noch lange keine gute Anlage. Es ist daher dringend geboten, den Aspekt „Energieeinsparung“ in der Handwerkeraus- und Fortbildung sowie in der täglichenAusführungspraxis stärker zu berücksichtigen.
Auch die Förderprogramme des Bundes im Bereich Energieeffizienz sollten unbedingt die langfristige Qualitätssicherung im Fokus haben, um die gesetzten Einsparziele erreichen zu können. Dass die Bundesförderung von Heizkesseln den Nachweis des hydraulischen Abgleichs verlangt, ist daher sehr zu begrüssen.