Verbraucherschutz-Forum: Übersicht
RegistrierenSuchenFAQMitgliederlisteBenutzergruppenLogin
Neue Antwort erstellen Seite 1 von 1

Geflügel aus Tierquälerei? Jeder Kauf entscheidet

Autor Nachricht
Antworten mit Zitat

Beitrag Geflügel aus Tierquälerei? Jeder Kauf entscheidet 


Etwa 19 Kilo Geflügel verzehrt jeder Bundesbürger im Schnitt pro Jahr. Damit liegt Geflügel hinter Schweinefleisch auf der deutschen Beliebtheitsskala an zweiter Stelle. Und der Appetit wächst weiter, gilt Geflügel doch als vielseitig, und im Vergleich zu Rind- und Schweinefleisch als kalorienärmer und gesünder. Und es ist meistens billig. Diese „Billigkeit“ kommt die Tiere allerdings teuer zu stehen: Turbomast, extreme Enge, Schmerzen und Stress sind die Begleiterscheinungen eines kurzen Lebens. Den sauber gerupften, verpackten und häufig tiefgefrorenen Hähnchen, Enten und Gänsen sieht man die Quälerei jedoch nicht mehr an. Bei Super-Sonderangeboten, wie nicht einmal fünf Euro für ein Kilo Gans, hat der Tierschutz bei der Produktion ganz sicher keine Rolle gespielt. Nur über den Absatz von „Masse“ sind solche Preise überhaupt erst möglich. Häufig kommt die Billigware aus dem Ausland, vor allem aus Ungarn oder Bulgarien. Die Lohnkosten sind niedriger als in Deutschland und zudem werden in diesen Ländern Gänse und Enten häufig gestopft. Dabei wird ihnen drei bis vier Mal täglich ein langes Rohr bis in den Magen geführt und gewaltsam ein halbes Kilo Maisbrei hineingepresst. Zum Vergleich: bei einem Menschen würde das die Aufnahme von 20 Kilo Nudeln bedeuten – und das jeden Tag. Statt der üblichen 150 Gramm kann eine Stopfleber bis zu fast einem Kilogramm wiegen. Hauptproduzent und Hauptabnehmer für Stopfleber ist Frankreich. Der Begriff „Foie gras“ – französisch für „fette Leber“ weist auf die Tierquälerei hin; Gänse- oder Entenleberpastete wird mit Stopfleber hergestellt. Das Gleiche gilt für „Hizott liba“ oder „Hizott l.“ – der ungarische Ausdruck für „gestopfte Gans“. Die Tiere leiden unter zahlreichen Verletzungen und Krankheiten, auch die extreme Fettleber ist ein krankhaft verändertes Organ. Doch damit wird sehr viel Geld verdient. Im Internet finden sich Angebote, die über 300 Euro pro Kilogramm Entenstopfleber liegen.

In vielen Ländern gilt das Stopfen von Enten und Gänsen als Tierquälerei und ist deshalb verboten. Erlaubt ist aber die Einfuhr von gestopftem Geflügel und von Stopfleber – auch nach Deutschland. Dahinter steckt das Prinzip des freien Warenverkehrs in der Europäischen Union. Produkte, die rechtmäßig in einem Mitgliedsstaat hergestellt werden, müssen in allen anderen EU-Ländern verkauft werden können.

Das gilt auch für die „Delikatesse“ Gänseleberpastete. Schaut man sich die Zutatenlisten an, ist häufig Gänse- und Entenleber zu finden. Die Pasteten werden auch in Bremen in einigen Geschäften verkauft oder online angeboten, zum Beispiel bei Karstadt, Grashoff oder Schlemmermeyer.

Eine weitere Quälerei für Gänse ist der Lebendrupf. Mehrmals in ihrem Leben werden ihnen die Federn ausgerissen – für Daunendecken und Daunenjacken. Das geschieht häufig im Akkord, Knochenbrüche und schwere Verwundungen sind die Folgen. Eigentlich ist der Lebendrupf in der Europäischen Union verboten. Allerdings liegt die Umsetzung und Kontrolle der Richtlinie bei den Mitgliedsstaaten. Nach Berichten von Tierschutzorganisationen werden die Vorschriften vor allem in Polen und Ungarn ignoriert.

Einige Anbieter versichern mittlerweile, für ihre Produkte keine Daunen aus Lebendrupf (mehr) zu verwenden. Nachprüfen lassen sich solche Aussagen jedoch nicht.

Obwohl in Deutschland Stopfmast und Lebendrupf verboten sind, liegt auch hier vieles im Argen. Die Stiftung Warentest hat im Oktober 2010 einen Test über die Qualität von Hähnchenbrustfilets veröffentlicht und einen Bericht über das Sozial- und Tierschutzengagement der getesteten Anbieter gleich hinterhergeschickt. Sie kritisiert auch die deutsche konventionelle Geflügelhaltung, in der es vorrangig um maximale Rendite und gleichzeitigen Billigkonsum gehe – und das von der Aufzucht der Küken über die Mast bis hin zur Schlachtung. Sie schreibt: „Die maschinelle Fleischwerdung im Schlachthaus ist nur der letzte Akt einer Industrie, die den Blick für die Würde des Tieres verloren hat.“

Die Verbraucherzentrale veröffentlicht jeden Winter eine aktualisierte Einkaufsliste für artgerecht gehaltenes Geflügel aus Bremen und der Umgebung. Das Fleisch ist teurer als aus der Massentierhaltung. Aber „mit gutem Gewissen“ schmeckt der Geflügelbraten gleich doppelt gut.


Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:
Neue Antwort erstellen Seite 1 von 1
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
  


Verbraucherforum: Verbraucherrecht, Erfahrung, Abzocke, Betrug, Spam, Recht, Erfahrungen, Berichte, Bewertung

Hosted by uamesh.net

Partnerlinks:
Wetter Bahamas  Hosting  Slashdot  Urheberrecht  Hosting  Nassau Community College  Dating  Flirtline  Korrespondent