Paprika zählt zu den am stärksten mit Pestiziden belasteten Lebensmitteln überhaupt. Auch die neuen Untersuchungsergebnisse zeigen, dass sich daran bislang nichts geändert hat.
So hat das Bayrische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit im März diesen Jahres bei Paprika aus verschiedenen Herkunftsländern festgestellt, dass bei 45,5% die zulässigen Höchstmengen überschritten wurden – also fast bei jeder 2. Paprika. Sehr negativ fallen immer wieder spanische und türkische Chargen auf – sie sind häufig besonders hoch und mit besonders vielen verschiedenen Pestiziden belastet. Paprika aus diesen beiden Ländern waren im Mittel mit knapp neun verschiedenen Pestiziden belastet, in einer spanischen Probe fanden sich 21 verschiedene Pestizide! Das Untersuchungsamt stellt fest, dass sich die Rückstandssituation im Vergleich zum vergangenen Jahr verschlechtert hat – ein Umstand, den die Verbraucherzentrale Bremen als Besorgnis erregend einstuft. Auch wenn es sich bei den einzelnen Wirkstoffen um sehr kleine Mengen handelt, befinden sich Substanzen darunter, die Krebs erregend, Erbgut verändernd oder sein können. Noch immer wird bei einer gesundheitlichen Einschätzung nur der einzelne Wirkstoff betrachtet, nicht jedoch, wie sich die langfristige Aufnahme solcher Cocktails auf die menschliche Gesundheit auswirkt.
Die Zeitschrift Ökotest hat in ihrer aktuellen Mai-Ausgabe einen ähnlichen Untersuchungsbericht veröffentlicht. Fast ein Drittel der untersuchten Paprika überschritt die gesetzlich festgelegte Höchstmenge für mindestens ein Pestizid, bis auf ein türkisches Produkt kamen alle aus Spanien. Erstaunlich bei dieser Untersuchung war, dass insbesondere Ware aus Israel sehr gut abgeschnitten hat – neben den Produkten aus ökologischem Anbau.
Es ist jedoch nicht nur Paprika, der regelmäßig mit erhöhten Rückständen auffällt, sondern häufig auch Tomaten, Frühimporte von Erdbeeren und Weintrauben. Nach Auffassung der Verbraucherzentrale Bremen ist dieser Zustand unhaltbar. Anstatt effektive Maßnahmen für einen gesundheitlichen Verbraucherschutz zu ergreifen, wurden von der Bundesregierung die Grenzwerte z.T. sogar noch angehoben und es werden für Importwaren immer wieder Ausnahmegenehmigungen für solche Pestizide erteilt, die in Deutschland gar nicht zugelassen sind. Dabei müssten aus Gründen eines vorsorgenden Verbraucherschutzes die Grenzwerte gesenkt und zusätzliche Mittel für die Lebensmittelüberwachung für weitaus mehr Kontrollen bereitgestellt werden.
Empfehlungen der Verbraucherzentralen:
- Vorsorglich sollte auf Paprika aus der Türkei und aus Spanien verzichtet werden; Bioware und zurzeit israelische Ware ist kaum oder gar nicht belastet;
- Obst und Gemüse immer sehr gründlich waschen; wenn es geht, mit heißem Wasser kräftig abrubbeln und mit Küchenpapier trocken reiben;
- Obst und Gemüse möglichst regional und saisonal einkaufen; das garantiert zwar keine pestizidfreie Ware, aber im Durchschnitt ist die Belastung geringer;
- möglichst häufig Ökoware kaufen, insbesondere bei den o.g. Obst- und Gemüsearten kann man dadurch die Pestizidbelastung deutlich senken;
- bei Lebensmitteln das „Geiz-ist-geil-Prinzip“ nicht anwenden, der ungeheure Preisdruck ist mit verantwortlich für belastete Lebensmittel, Tierquälereien und andere Lebensmittelskandale.

