Mit Muskelkraft Mobil fürs Klima
Eine klimafreundliche Mobilität wünschen sich die Klima-Musterhaushalte Gruben und Maaß. Im Projekt der Verbraucherzentrale wird aber schnell der Stadt-Land Unterschied deutlich. In Bremen ist der Umstieg auf den öffentlichen Verkehr in vielen Fällen eine ökologisch und finanziell sinnvolle Alternative. Auf dem Land ist die nächste Haltestelle mehr als einen Katzensprung entfernt. Aber mit Fahrrad, Pedelec oder Fahrgemeinschaft gibt es auch auf dem Land weitere Alternativen zum eigenen Pkw.
Durchschnittlich belastet jeder Deutsche das Klima pro Jahr mit ca. 11 Tonnen CO2. Der Bereich Mobilität trägt dazu mit etwa 2,52 Tonnen CO2 bei. Jeder Kilometer, der nicht mit dem Auto zurück gelegt wird, ist somit gut fürs Klima und oft auch gut für die eigene Gesundheit. Das denken sich auch Familie Gruben aus Bremen und das Ehepaar Maaß aus Ganderkesee.
Frau Gruben wohnt mit ihrem Mann und ihrem Sohn im Viertel und geht im Umfeld gerne zu Fuß oder benutzt öffentliche Verkehrsmittel. Aber um mit Bus und Bahn bis zu ihrer Arbeitsstelle nach Tenever zu kommen und auf dem Weg dorthin ihren kleinen Sohn bei der Krippe abzugeben, benötigt sie über eine Stunde. Mit dem Auto fährt sie die Strecke in 20 Minuten. Da fällt ihr das Umsteigen nicht so leicht. Da Herr Gruben für seine Arbeit bislang auf sein Auto auch nicht verzichten kann, verfügt die Familie über zwei Autos.
Der Mobilitätsberater der Verbraucherzentrale empfiehlt Frau Gruben, ein Auto mit Nachbarn oder Freunden zu teilen. Sie benötigt ihren Wagen nur an drei Tagen die Woche, da sie nach der Elternzeit vorerst nur in Teilzeit arbeitet. Zudem gäbe es eine Nachbarin, die grundsätzlich an einer gemeinsamen Nutzung interessiert wäre. Vom Projektpartner Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) erhält Frau Gruben einen Mustervertrag für Nachbarschaftsautos. So können im Vorfeld alle möglicherweise kritischen Punkte zwischen den Parteien besprochen und geregelt werden. Im Ergebnis könnte Familie Gruben die Kosten des zweiten Wagens halbieren.
Bus, Bahn und Fahrrad
Alternativ zum Auto überlegt Frau Gruben mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis zur Krippe zu fahren. Mit einem dort deponierten Fahrrad könnte sie die letzte Wegstrecke bis zur Arbeit zurücklegen. Sie wäre so schneller als mit dem Bus, aber mit etwa 50 Minuten doch länger unterwegs, als mit dem eigenen Wagen. Dem Zeitverlust steht eine Einsparung von über 300 Kilogramm CO2 entgegen. Den Wagen würde die Bremerin dann nicht mehr benötigen, sie könnte ihn verkaufen. Den jährlichen Kosten für ihren VW Lupo von etwa 800 Euro für Sprit, Versicherung und Steuern, würden 460,80 Euro für ein Jahresticket oder 508,80 Euro für ein Jahresticket PLUS der BSAG (Tarifgruppe I) gegenüber stehen. Also auch finanziell würde sie davon profitieren.
Ab ca. 20 Einzelfahrten pro Monat fährt Frau Gruben preiswerter mit einem Monats- bzw. Jahresticket. Das Jahresticket Plus ist etwas teurer, dafür ist es übertragbar und ab 19:00 Uhr können sowohl eine weitere erwachsene Person und bis zu 4 Kinder zwischen 6 und 15 Jahren unentgeltlich mitgenommen werden. Kinder bis 6 Jahren fahren beim Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) prinzipiell kostenlos. Am Wochenende gilt es im kompletten VBN Gebiet inklusive der Mitnahmeregelungen. Bis zu den Großeltern käme die Familie Gruben zwar nicht damit, aber für einen Wochenendausflug nach Bremerhaven oder Oldenburg für einen Bummel über den Weihnachtsmarkt würde das Ticket reichen.
Klassiker Fahrgemeinschaft
Auch für Herrn Maaß würde der Umstieg vom Auto hin zum öffentlichen Verkehr einen zusätzlichen Zeitaufwand bedeuten. Für den Weg zur Arbeitsstelle in Bremen-Walle benötigt er etwa eine halbe Stunde mit dem Auto. Mit Bahn und Bus würde er deutlich länger als eine Stunde unterwegs sein. Im Notfall ginge es wohl, im Alltag ist dies keine Option, auch weil Herr Maaß den Heimweg für Erledigungen nutzt, wie zum Beispiel den Besuch seiner Mutter.
Der Mobilitätsberater empfiehlt ihm, die Fahrt mit der Bahn zur Arbeit zumindest einmal auszuprobieren. Auf diese Erfahrung könne er dann zurückgreifen, für den Fall, dass ihm mal kein Wagen zur Verfügung stehen würde. Für die Fahrt zur Arbeit könnte Herr Maaß Fahrrad und Bahn kombinieren. So würde er etwa 45 Minuten Fahrtzeit benötigen. Ideal wäre hierfür ein Klapprad. Der Transport eines Klapprades in Bus und Bahn ist einfach und kostenlos.
Eine Möglichkeit, das Klima zu schonen nutzt Herr Maaß bereits seit geraumer Zeit. Zwei bis dreimal die Woche fährt er mit zwei Kolleginnen in einer Fahrgemeinschaft zur Arbeit. Die Fahrt ist so weniger langweilig und sie sparen den Sprit für zwei Pkw ein.
Frau Maaß empfiehlt der Mobilitätsberater ein Pedelec, eine Art Elektrofahrrad. Da ihr das Fahrradfahren bei stärkerem Wind oder beim Bergauffahren schwer fällt, nutzt sie das Fahrrad nur selten. Beim Pedelec müsste sie nur leicht treten, den Rest erledigt der Elektromotor. Kurze Wege könnte sie so klimafreundlicher bewältigen. Die Kosten für 100 Kilometer sind mit etwa 20 Cent deutlich unter den Spritkosten ihres Wagens. Ideal wäre es, das Pedelec mit Ökostrom zu „betanken“. Dann würde die Klimabelastung fast auf null sinken. Frau Maaß zeigt sich sehr interessiert an diesen Überlegungen. Auch überlegt sie, ob sie den zweiten Wagen dann überhaupt noch benötigt würde. Vom Verkauf des Wagens ließe sich das Pedelec leicht finanzieren.
Kurze Strecken mit dem Auto vermeiden
Nicht nur den Klima-Musterhaushalten empfiehlt die Verbraucherzentrale, Autofahrten bewusst zu planen. So kann z.B. der Wocheneinkauf auf dem Weg nach Hause erledigt werden. Kurze Strecken sollten möglichst ganz vermieden werden. Da der Wagen noch nicht warm ist, verbraucht er fünf bis sechsmal soviel Sprit und produziert entsprechend mehr an CO2. Gerade auf diesen Kurzstrecken ist man häufig mit dem Fahrrad schneller und regelmäßiges Fahrradfahren ist gut für die Gesundheit. Als Bremer hat man im Vergleich zum Umland relativ gute Möglichkeiten, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Wenn man anstatt des privaten Fahrzeuges öffentliche Verkehrsmittel benutzt, kann man 60 Prozent der Emissionen reduzieren. Häufig kostet der Umstieg Zeit – aber manchmal wird man dafür mit netten Begegnungen belohnt.
Tipps für klimaverträgliche Mobilität:
- Kurzstrecken vermeiden. Auf den ersten Metern ist der Wagen noch nicht warm. Dadurch verbraucht er sechs- bis siebenmal soviel Sprit.
- Spritsparend Auto fahren: Ein frühes Hochschalten schadet dem Auto nicht, spart aber erheblich Benzin ein.
- Je geringer der Rollwiderstand, umso geringer fällt der Spritverlust aus. Leichtlaufreifen und ein guter Reifendruck sind entscheidend.
- Motor aus. Der Wagen verbraucht auch im Leerlauf Sprit.
- Ab zehn Sekunden Wartezeit lohnt es sich, den Motor auszumachen.
- Beim Autoneukauf auf ein sparsames Fahrzeug achten.
- Car-Sharing und Mitfahrgelegenheiten nutzen. Das spart Geld und hilft, seine Fahrgewohnheiten zu kontrollieren.
- Verkehrsmittel kombinieren. Neben P+R gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, Auto, Fahrrad, Roller, Bus und Bahn miteinander zu verknüpfen. Beim Vergleich der Fahrtzeit nicht nur die Fahrtstrecken vergleichen, sondern immer von Tür zu Tür rechnen.
Kostenlose Mobilitätsberatung des VCD: Wenn Sie häufiger mal auf klimafreundliche Verkehrsmittel umsteigen wollen, und sich über ihre persönlichen Möglichkeiten informieren wollen, rufen Sie die kostenlose Telefonberatung des VCD an: 0800 20 30 900.
für mich. für dich. fürs klima
Viele Verbraucher möchten gerne mehr für das Klima tun, können dies im Alltag aber nicht immer umsetzen. Wie das geht, dazu beraten die Mitarbeiter der Verbraucherzentrale sechs Klima-Musterhaushalte aus Bremen und dem Umland in den Bereichen Konsum, Wärme, Strom, Ernährung und Mobilität.
Die Energieberatungen, die im Rahmen der Aktion Musterhaushalte durchgeführt werden, werden durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert. Die Mobilitätsberatung wird mit Hilfe des Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) durchgeführt.
Das Projekt ist Teil der bundesweiten Verbraucherallianz „für mich. für dich. fürs klima.“ Beteiligt sind neben dem Verbraucherzentralen Bundesverband (vzbv) und den 16 Verbraucherzentralen der Deutsche Mieterbund (DMB), die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), der VCD, der VerbraucherService (VS) im Katholischen Deutschen Frauenbund und Germanwatch.
Die Allianz klärt mit bundesweiten Aktionen über die Chancen jedes Einzelnen beim CO2-Einsparen auf. Gegenüber Politik und Wirtschaft vertritt sie die Interessen der Verbraucher für einen Klimaschutz ohne Hürden. Unlautere Werbung mit Klimaschutzargumenten stoppt sie mit juristischen Mitteln. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.
Siehe auch:
Heizen und Warmwasser
Ernährung: Regional, saisonal und wenig Fleisch
Wärmedämmung: Isolieren lohnt sich
Klima-Musterhaushalte kämpfen weiter fürs Klima

