Wie groß ist das Risiko?
Nachdem es zunächst so aussah, als ob die Melamin-Funde in Lebensmitteln sich auf China und einige andere asiatische Länder beschränken würden, werden nun in immer mehr Ländern belastete Lebensmittel gefunden, darunter auch in Deutschland. Eine kleine Stichprobe der Verbraucherzentrale in einigen asiatischen Geschäften förderte eine Reihe von Produkten zu Tage, die Milchpulver enthalten.
Bereits im Juni dieses Jahres tauchten in China Hinweise auf, dass es einen unerklärlichen Ausbruch von Nierenerkrankungen bei Säuglingen gab. Doch wegen der Ausrichtung der Olympischen Spiele verbot die chinesische Regierung alle Berichte, die mit verunreinigten Produkten zu tun hatten. Medienrecherchen wurden daraufhin eingestellt und Eltern nicht gewarnt. Die ungeheure Skrupellosigkeit der panschenden Firmen und die „Verschweigetaktik“ der Regierung kostete Tausende von Babys die Gesundheit und bislang vier das Leben.
Eltern von Säuglingen in Deutschland brauchen sich dagegen keine Sorgen zu machen. Für die sehr streng kontrollierte Babynahrung wird das Milchpulver überwiegend in Deutschland hergestellt bzw. stammt aus Milch aus Westeuropa.
Eigentlich ist seit 2002 der Import tierischer Produkte in die EU, somit auch Milch, aus China verboten. Anders sieht es jedoch aus, wenn Süßigkeiten, Kekse oder Fertigprodukte in China produziert werden und Milchpulver enthalten. Deshalb sind auch in Deutschland Bonbons („White Rabbit“) aufgetaucht, die mit Melamin belastet waren. Eine kleine Stichprobe der Verbraucherzentrale in einigen asiatischen Geschäften zeigt, dass es eine Vielzahl von Produkten aus China und anderen asiatischen Ländern gibt, die Milchpulver enthalten. Auch die Bremer Lebensmittelüberwachung sieht hier mögliche Probleme.
Da die Warenströme innerhalb Asiens von hier aus überhaupt nicht zu überblicken sind, empfiehlt die Verbraucherzentrale auf Produkte mit Milchpulver aus asiatischen Ländern insgesamt zu verzichten.
Wenn Eltern mit einem asiatischen Migrationshintergrund sich jetzt Sorgen machen, weil sie ihren Kindern vielleicht Kekse oder Süßwaren aus ihren Heimatländern gegeben haben, können sie sich an ihren Haus- bzw. Kinderarzt wenden. Auf keinen Fall werden die gesundheitlichen Auswirkungen so dramatisch wie in China sein, dafür wären - selbst bei einer potentiellen Verarbeitung Melamin-belasteter Milchpulver-Chargen - die Konzentrationen nicht hoch genug. Über die tatsächlichen Risiken gibt es unterschiedliche Auffassungen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit sieht keine konkreten Gesundheitsgefahren. Das Verbraucherministerium in Berlin hingegen befürchtet, dass ein hoher Verzehr von belasteten Bonbons über einen längeren Zeitraum der Gesundheit schaden kann. Fakt ist jedoch, dass Melamin eine Substanz ist, mit deren Entsorgung die Entgiftungsorgane des Körpers unnötig belastet werden.
Die Verbraucherzentrale Bremen sieht in der Globalisierung des Lebensmittelhandels schon lange erhebliche Probleme. Kontrollen, Hygiene oder auch die Produktion tierischer Lebensmittel entsprechen häufig nicht den EU-Standards. Hinzu kommen (europäische!) Kennzeichnungsvorschriften, die nicht verraten, wo, unter welchen Bedingungen und von wem die Lebensmittel überhaupt hergestellt werden. Es reicht beispielsweise vollkommen aus, wenn auf einer Lebensmittelverpackung lediglich der Verkäufer(!) genannt wird.
Im Zusammenhang mit dem Melaminskandal fordert die Verbraucherzentrale:
- Umfangreiche Kontrollen von Lebensmitteln mit Milchzutaten, die außerhalb der EU hergestellt wurden
- Kontinuierliche Veröffentlichung betroffener Produkte und Firmen
- Einfuhrstopp für alle Lebensmittel der Konzerne, die durch Melaminpanschereien aufgefallen sind
- Herkunftskennzeichnung aller Hauptbestandteile bei zusammengesetzten Lebensmitteln

