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Neue Nährwertkennzeichnung – Chance vertan

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Beitrag Neue Nährwertkennzeichnung – Chance vertan 


Verbraucherministerium beugt sich Industriewünschen


Auf der diesjährigen Ernährungsmesse Anuga in Köln hat Verbraucherminister Horst Seehofer zusammen mit Vertretern der Lebensmittelindustrie Eckpunkte für eine freiwillige(!) Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln vorgestellt. Diese Informationen sollen Bestandteil des nationalen Aktionsplanes zur Vorbeugung von Fehlernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht und den damit zusammenhängenden Krankheiten werden.

Doch nach Auffassung der Verbraucherzentrale Bremen ist der Vorschlag misslungen, wenig verbraucher- und lesefreundlich: Fünf Kreise, in denen die Mengen für das Produkt an Kalorien, Zucker, Fett, gesättigten Fettsäuren und Kochsalz genannt werden. Darunter steht eine zweite kleinere Zahl, die prozentual auswirft, wie viel der empfohlenen Tageszufuhr mit der Portion erreicht wird. Kein Verbraucher, kein Elternteil, das – wie so viele Berufstätige ebenfalls – unter Zeitdruck einkaufen muss, wird die Zeit dafür aufbringen können, bei mehreren Produkten 10 verschiedene Zahlen zu erfassen und zu bewerten.

Viel einfacher und besser wäre es gewesen, wenn in der Bundesrepublik das englische Modell für verarbeitete und zusammengesetzte Lebensmittel durchgesetzt worden wäre: Grüne, gelbe und rote Ampelfarben, die für Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz sofort erkennbar machen könnten, wie empfehlenswert das Produkt ist – oder auch nicht. Auf der Rückseite hätten dann weitergehende Informationen für besonders Interessierte stehen können. Das Ampelmodell jedoch wollte die Industrie unbedingt verhindern, und das hat sie auch. Besonders ärgerlich nach Einschätzung der Verbraucherzentrale ist, dass bei dem nun vorgestellten Modell nicht alle Prozentzahlen den offiziellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) entsprechen. Während die DGE empfiehlt, max. 60 Gramm Zucker am Tag zu verzehren, geht das neue Modell von 90 Gramm Zucker aus. Zudem sind die Verzehrsportionen nicht einheitlich festgelegt und können unrealistisch klein ausfallen. So lassen sich zwar süße Lebensmittel „schönrechnen“, ein wirksames Mittel gegen Übergewicht sind sie jedoch nicht.


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