Die
Gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland war lange Zeit ein Bereich, in dem sich die Versicherten wenig Gedanken über die gebotenen Leistungen und die Kosten machen mussten. Das hat sich seit einigen Jahren geändert. Mittlerweile ist mehr Wettbewerb unter den Kassen angesagt, vor allem bei den Kosten und Beiträgen. Daneben betätigen sich die Kassen zunehmend auch als Vermittler von privaten Zusatzversicherungen. Dieser Wandel eröffnet mehr Wahlmöglichkeiten; er schafft aber auch neue Unübersichtlichkeiten, Verunsicherungen und Orientierungsprobleme. Die Verbraucherzentrale Bremen erweitert deshalb ihr Beratungsangebot. Ab sofort berät sie nicht mehr nur zu Fragen der
privaten Krankenversicherung, sondern auch zur Gesetzlichen Krankenversicherung und dem wachsenden Angebot von privaten Zusatzversicherungen.
Viele Versicherte haben bereits die Mitteilung bekommen, dass sie künftig Zusatzbeiträge zahlen sollen, weil ihre Krankenkasse mit den regulären Beitragseinnahmen nicht mehr auskommen. Für sie stellt sich daher die Frage, was sie tun sollen. Sollen sie die gesetzlich eingeräumte Kündigungsmöglichkeit nutzen und zu einer anderen Kasse wechseln, die – zumindest vorerst – keine Zusatzbeiträge verlangt?
Vom neuen Gesundheitsminister Philipp Rösler wird das empfohlen und viele Versicherte haben offenbar schon entsprechende Konsequenzen gezogen. Presseberichten zufolge sollen allein bei der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) bereits über 5.000 Mitglieder ausgetreten sein.
Andere Stimmen wenden sich gegen solche Wechselaufrufe, da sie für das Gesamtsystem noch mehr Kosten befürchten und weil sie wenig Perspektive für das Wechselspiel sehen: Denn angesichts der finanziellen Probleme der Krankenkassen sei schon im nächsten Jahr mit einer nahezu flächendeckenden Einführung von Zusatzbeiträgen zu rechnen.
Letzteres ist aber nicht unbedingt ein Argument gegen den Wechsel. Auf das Jahr gesehen macht schon die Pauschale von acht Euro pro Monat immerhin knapp einen Hunderter aus. Einige Kassen wollen zudem schon jetzt mehr als die zusätzliche Pauschale fordern. Wird der maximal zulässige Betrag von einem Prozent des beitragspflichtigen Einkommens ausgeschöpft, können bis zu 37,50 Euro im Monat oder 450 Euro im Jahr an Zusatzbelastungen anfallen – was wohl kaum jemand einfach hinnehmen möchte.
Tatsächlich ist die Frage, ob man wechseln sollte oder nicht, aber komplizierter als es scheint. Der Grund: Der Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen ist zwar zu einem hohen Grad gleich.
Daneben gibt es aber Unterschiede: bei Mehrleistungen wie z.B. der Hauskrankenpflege, der Haushaltshilfe bei schweren Erkrankungen oder bei Schutzimpfungen; beim Angebot von Gesundheitskursen; bei Gesundheitsboni oder bei besonderen Versorgungsformen wie etwa homöopathischen Behandlungen beim Arzt.
Wer vorschnell wechselt, kann deshalb unerfreuliche Überraschungen erleben. Und wer ins Blaue hinein wechselt, vergibt womöglich die Chance, beim Wechsel das auf ihn zugeschnittene Leistungsangebot zu optimieren. Unter Umständen können die Mehrbelastungen oder verschenkten Leistungsangebote nämlich ein Mehrfaches der Zusatzbeiträge ausmachen, die Anlass für den Wechsel waren.