Die Verbraucherzentrale Bremen hält die unerwartet hohen Pestizid-Rückstände in Grünkohl für alamierend. Die Saison hat gerade begonnen und eigentlich soll die Tradition der Grünkohlfahrten Spaß machen – nun aber löst sie Fragen besorgter Verbraucher bei der Verbraucherzentrale aus.
Seit 1994 werden in jedem Jahr planmäßig 15 – 20 verschiedene Lebensmittel bundesweit in größerer Zahl untersucht, um Informationen über die Rückstandssituation zu erhalten. Dieses repräsentative Monitoring soll durch wiederholte Untersuchungen auch Trends aufzeigen – sinkt oder steigt die Pestizid-Belastung eines Lebensmittels? Und während 1997 die Grünkohlwelt noch in Ordnung war, hat sich das Bild 10 Jahre später deutlich verschlechtert. Ein Fünftel der 162 untersuchten Proben aus dem Jahr 2007 lag mit seinen Pestizidrückständen oberhalb der gesetzlich zugelassenen Höchstmengen. Dieses Fünftel hätte demnach überhaupt nicht verkauft werden dürfen. 11 % enthielten das gefährliche Insektizid Dimethoat, das für Grünkohl gar nicht zugelassen ist. Und das aus gutem Grund: Dimethoat hat eine stark giftige Wirkung auf den menschlichen Körper und kann die inneren Organe und die Nerven schädigen. Es wurde bereits häufig als Mord- und Selbstmordmittel eingesetzt. Nach Einschätzung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sind bereits bei einem einmaligen Verzehr gesundheitliche Folgen nicht auszuschließen.
Auch andere Pestizide wurden illegal eingesetzt oder lagen über den gesetzlichen Grenzwerten, sie sind jedoch nicht so giftig wie Dimethoat.
Häufig gibt es die Empfehlung, Ware saisonal und aus einheimischer Produktion zu bevorzugen, nur in diesem Fall greift weder die eine noch die andere Empfehlung: Es handelt sich hier um überwiegend deutschen Grünkohl aus der vergangenen Wintersaison. Die Verbraucherzentrale kritisiert das schlechte Untersuchungsergebnis des regionalen Gemüses: „Die deutschen Erzeuger haben einen Ruf zu verlieren. Da es bereits in den vergangenen Jahren auch bei einigen Obstarten zunehmend schlechte Untersuchungsergebnisse für Inlandsprodukte gegeben hat, könnten wir vielleicht schon bald unsere Empfehlung für konventionelle, regional erzeugte Lebensmittel nicht mehr aufrecht erhalten“ – so Regina Aschmann von der Bremer Verbraucherzentrale.
Verbraucher haben ein selbstverständliches Anrecht auf sichere Lebensmittel – zumal Gemüse –, die nicht gesundheitsschädlich sind.
Die Verbraucherzentrale fordert deshalb:
- Sofort – und nicht erst zum Ende der Saison – verstärkte Untersuchungen von Grünkohl;
- verbessertes Qualitätsmanagement der weiterverarbeitenden Betriebe und des Handels;
- sofortige Veröffentlichung der Ergebnisse mit Angabe der Händler bzw. Handelsnamen;
- Bestrafung der Erzeuger, die zu hohe Pestizidmengen bzw. unerlaubte Mittel einsetzen.
Die Empfehlungen an die Verbraucher:
- Einkauf nur bei vertrauenswürdigen Quellen, z.B. bei Direktanbietern, die schriftliche Erklärungen zur Unbedenklichkeit abgeben oder bei regionalen Öko-Abietern;
- Tiefkühl-Ware zunächst einmal im Eis liegen lassen – zumindest, bis die jeweiligen Hersteller entsprechende Unbedenlichkeitserklärungen vorlegen können;
- vor Kohlfahrten in der jeweiligen Gaststätte nach der Qualitätssicherung fragen;
- diese Empfehlungen gelten insbesondere für Risikogruppen: Schwangere, Kinder, Rekonvaleszenten und ältere Menschen.

