Verbraucherbetrug in großem Stil: Verwässerung von Fleisch und Fleischerzeugnissen
Dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) liegen Hinweise vor, dass mehrere große Lebensmittelhersteller seit Jahren das Gewicht von Fleisch- und Wurstwaren mit Bindemitteln aus Eiweiß und einer erheblichen Menge Wasser vergrößert haben. Bei den Wasserbindern handelt es sich um hydrolisierte Proteine (Eiweiße, die mit Säuren unter Druck und bei hohen Temperaturen gespalten werden) von Schwein, Rind oder Geflügel oder auch um Milch- oder Pflanzeneiweiße. Das ist zwar gesundheitlich unbedenklich, wäre aber ein Verbraucherbetrug ungeheuren Ausmaßes – so die Verbraucherzentrale Bremen. Untersuchungen aus Großbritannien und Irland aus den Jahren 2001 bis 2003 haben ergeben, dass beispielsweise Hähnchenfilets teilweise zu mehr als 40 Prozent aus Wasser und Wasserbindern bestanden. Geht man von einem Wasserpreis von 2,- € pro m3 und damit von 0,002 € pro Liter Wasser aus, lässt sich der ergaunerte Gewinn – sofern solche Machenschaften im großen Stil durchgeführt werden – zunächst kaum erahnen. Um welche „großen Lebensmittelhersteller“ es sich handeln soll, verrät das BVL nicht. Es hat die Überwachungsbehörden der Bundesländer aufgefordert, entsprechende Kontrollen in den Betrieben durchzuführen. Auch in Bremen wird dies geschehen. Doch einfach ist der konkrete Nachweis nicht. Die als Wasserbinder zugesetzten Eiweiße sind so stark zersetzt, dass kaum zu unterscheiden ist, ob sie künstlich zugesetzt wurden oder tatsächlich zur Wurst gehören. Dies gilt vor allem dann, wenn zum Verwässern Eiweiß der entsprechenden Tierart verwendet wurde, also beispielsweise Eiweiß von Hähnchen für Hähnchenfilets. Das BVL hofft, dass Mitte des Jahres geeignete Analysemethoden zur Verfügung stehen, um die Betrügereien aufzudecken.
Nach Auffassung der Verbraucherzentrale hinken einmal mehr die technischen Möglichkeiten der Überwachungsbehörden hinter denen von Betrügern her. Sie kritisiert, dass jetzt erst nach den notwendigen Analysemethoden gesucht wird, obwohl nach den Berichten aus Großbritannien doch kaum davon ausgegangen werden konnte, dass die deutschen Verbraucher davon ungeschoren bleiben. Wieder einmal wurde am falschen Ende gespart.
Sie fordert die Bekanntgabe der Firmen, sobald ein Betrugsbeweis vorliegt, damit die Verbrauchern sich beim Einkaufen bewusst gegen derartige Praktiken und Firmen entscheiden können. Bei diesem Skandal zeigt sich zum wiederholten Mal, wie notwendig ein umfassendes Verbraucherinformationsgesetz ist.
Die Verbraucherzentrale Bremen empfiehlt Verbrauchern dringend, Lebensmittel nicht nach dem „Geiz ist geil“-Motto zu kaufen. Gute Lebensmittel haben ihren Preis, zudem spielt bei tierischen Lebensmitteln auch die Frage des Tierschutzes eine Rolle. Ein billiges Schweineschnitzel stammt nicht von einem artgerecht gehaltenen Schwein – und diese Binsenweisheit gilt für alle Nutztiere. Möglicherweise waren auch so manche Billigwurst und manches Billigfleisch gar nicht billig – weil Fleischpreise für viel Wasser gezahlt wurden.

